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Why fighting ends. A History of Surrender

[English]

25-28 June 2009

Veranstaltungsort: Weetwood Hall, Leeds

Organisatoren: Holger Afflerbach (University of Leeds), Hew Strachan (All Souls College, Oxford), and Andreas Gestrich (GHIL)

Darstellung der wissenschaftlichen Zielsetzung der Konferenz

Die geplante Konferenz basiert auf der Zusammenarbeit verschiedener deutscher und britischer Institutionen und hat das Ziel, einen sorgfältig recherchierten und edierten, höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Sammelband hervorzubringen. Er soll die Geschichte der Kapitulation von den Anfängen („primitive warfare“) über Antike und Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart, epochen- und kulturraumüberspannend, nachzeichnen.

Die Konferenz wird von den Universitäten Oxford und Leeds und dem Deutschen Historischen Instituts in London organisiert; weiterhin beteiligt sich das Militärgeschichtliche Forschungsamt, Potsdam, durch Stellung zweier Referenten. Die Veranstalter haben eine sorgfältig ausgesuchte Gruppe internationaler Spitzenwissenschaftler gebeten, das Thema in ihrem jeweiligen Spezialbereich zu untersuchen und einen schriftlichen Beitrag zu erstellen, der auf einer internationalen Konferenz im Juni 2009 vor dem Plenum zur Diskussion gestellt wird. Die Konferenz wird von der Universität Leeds ausgerichtet. Das „Leverhulme Programme on the Changing Character of War“, das an der Universität Oxford beheimatet ist, hat das Projekt in sein laufendes Forschungsprogramm aufgenommen und will den Konferenzband in seiner Reihe bei Oxford University Press erscheinen lassen.

Die Liste der Sprecher umfaßt derzeit sechzehn britische, sechs deutsche, acht amerikanische, einen irischen, einen österreichischen und einen in Japan lebenden Wissenschaftler (Commentators und Chairs sind hier nicht mitgerechnet.). Ein klares Konzept, rigorose Vorgaben an die Referenten und die beabsichtigte gründliche Diskussion der Beiträge im Plenum sollen, in Verbindung mit späterer sorgfältiger editorischer Bearbeitung der Beiträge, ein Maximum an Geschlossenheit des fertigen Bandes garantieren.

Das Thema: Why fighting ends

Der Titel und die zentrale Frage des Projekts lautet: Warum Kämpfe enden? Eine Geschichte der Kapitulation. Das Projekt möchte die „Kapitulation“ (hier wäre vorauszuschicken, daß es sich bei dem Begriff „Kapitulation“ um einen frühneuzeitlichen Begriff handelt, dessen Benutzung für das Einstellen der Kämpfe in früheren Kriegen eigentlich ein Anachronismus ist) von der Vorgeschichte bis in die Gegenwart hinein nachverfolgen. Das Thema wird drei Hauptebenen haben, nämlich die des einzelnen Soldaten, die der militärischen Befehlshaber und die ganzer Gesellschaften. Auf jeder Ebene stellt sich die Frage, wann und warum Kämpfe enden, immer etwas anders dar. Die Forschungen werden einen Schwerpunkt in der westlichen Geschichte haben („the Western Way of War“). Dies hat rein pragmatische Gründe. Allerdings werden mehrere Beiträge die Kämpfe zwischen europäischen und nichteuropäischen Kulturen („barbarians“ in der Antike; Osmanen, Azteken und native Americans in der frühen Neuzeit; Japan im Zweiten Weltkrieg, die suicide bomber unserer Tage) darstellen, so daß systematisch und widerholt auch ein Bezug zu nichteuropäischen Entwicklungen hergestellt wird.

Die Untersuchung versteht sich als ein Versuch, unser historisches Verständnis der Abläufe von Niederlage und Kapitulation durch einen vergleichenden Ansatz zu erweitern. Sie will eine Kultur- und Sozialgeschichte der Kapitulation sein, die in klassischen Zeiten beginnt und in der Gegenwart aufhört, die verschiedene Ansätze wie die der klassischen Militärgeschichte, der Sozial- und der Kulturgeschichte parallel anwendet, auch widerholt die Anthropologie berührt und gleichzeitig auch Fragen internationaler Normen und Gesetze des Krieges und deren Entwicklung untersucht. Um die enorme Zahl möglicher Fragen und Vorgänge zu reduzieren, wurde eine Mischung aus Querschnittsreferaten und Fallstudien gebildet. So sollen, wie wir hoffen, die Probleme, die die militärische Kapitulation in verschiedenen Epochen und Kulturen beinhaltete, beleuchtet werden.

Das Thema ist ein kleiner, aber zentraler Ausschnitt aus der großen Frage nach der Natur des Krieges; der Frage, warum der Soldat kämpft, wie er kämpft, wann und warum er aufhört zu kämpfen - oder warum er dieses nicht tut. Der Moment, in dem normalerweise der Kampf aufgegeben wird, scheint am besten durch ein Konsensmodell erklärbar zu sein: Soldaten setzen ihr Leben für eine Sache ein, die dem Konsensus ihrer soldatischen Gruppe und/oder ihrer Gesellschaft entspricht, aber nur, solange dies Erfolg verspricht. Kann Weiterkämpfen nichts mehr zu diesem konsensualen Ziel beitragen, hört der Kampf schlagartig auf; auf der Ebene des einzelnen Soldaten, indem er in Gefangenschaft geht; auf der Ebene militärischer Einheiten, Großeinheiten, Festungen, Schiffen oder Oberkommanden, indem man kapituliert. Dies ist zumindest die Ansicht von Carl von Clausewitz, der die Kapitulation mehrfach in seinem Buch “Vom Kriege” erwähnt, aber immer nur kurz. Er schrieb: "Wie hoch auch der Wert des Mutes und der Standhaftigkeit im Kriege angeschlagen werden muß, so gibt es doch einen Punkt, über den hinaus das Verharren nur eine verzweiflungsvolle Torheit genannt und also von keiner Kritik gebilligt werden kann.“ (Clausewitz, Vom Kriege, Erster Teil, Erstes Buch, S. 38)

Daß es einen Punkt gibt, an dem der Kampf aufgegeben wird, um das nackte Leben zu retten, scheint selbstverständlich; hingegen wird die Tradition, den Tod der Kapitulation vorzuziehen, meist als ein vor allem den Japanern des Zweiten Weltkriegs vorbehaltener Fanatismus angesehen, dies besonders mit Blick auf die Kamikaze-Flieger. Doch unsere Forschungen werden zeigen, daß diese Antwort nur teilweise richtig ist. Das Projekt möchte herausarbeiten, daß die Kapitulation – deren Begriffsgeschichte im übrigen noch zu klären sein wird – kein rationaler Vorgang ist, um Leben zu retten. Zumindest reduziert sie sich nicht darauf. Sie ist, so soll die Hypothese lauten, aufs engste mit der „Kultur“ der Kämpfenden verbunden und somit Gedanken aufgreifen, die beispielsweise von John Keegan, als einem der prominentesten Militärhistoriker der Gegenwart, in seinem Buch über die „Kultur des Krieges“(Berlin 1995) zur Diskussion gestellt wurden. Unter bestimmten Umständen spielt die Rettung von Leben, selbst dem eigenen, keine oder aber eine untergeordnete Rolle.

Die Aufgabe des Projekts ließe sich demnach auf folgende Formel bringen: „Kampf“ und „Kapitulation“ werden als Vorgänge verstanden, die durch sich wandelnden sozialen Konsens entscheidend beeinflusst wurden. Kampf bis zum Tode oder frühzeitiges Aufgeben hängen ganz wesentlich von der jeweils herrschenden militärischen Kultur ab und ebenso von Normen, dem Ehrenkodex und rechtlichen Bestimmungen. Das Projekt soll die Wandlungen der „Kapitulation“ in der historischen Entwicklung darstellen und auch einen interkulturellen Vergleich ermöglichen. Es soll die Begleitumstände und Motive von Kapitulation in verschiedenen Kriegen, Epochen und Kulturen vergleichen und versuchen, gemeinsame Muster zu finden, die es uns ermöglichen, breitere Schlußfolgerungen über die Natur des Krieges zu ziehen.

Ziele des Projekts

Das Ziel des Projekts ist der schon erwähnte, sorgfältig zu edierende Band zum Thema Kapitulation. Die Auswahl der Referenten und Themen garantiert Kompetenz und auch Vielfalt.

Um den Augenblick der Kapitulation so sorgfältig wie möglich darstellen zu können, werden die Referenten um eine auf Quellen basierende „dichte Beschreibung“ (Clifford Geertz) der zu beschreibenden Kapitulationen gebeten. Sie sollen die Umstände darstellen, nämlich die militärische Situation, die realen Möglichkeiten der Kapitulation, und dann die Wünsche und Motive der kapitulierenden Soldaten darstellen. Sie sollen auch einen Ausblick auf das weitere Schicksal dieser Soldaten liefern, das heißt, ihr Schicksal als Kriegsgefangene, oder aber als geschlagener Heimkehrer.

Um Vergleiche zu ermöglichen, haben wir die möglichen Fragen reduziert und eine Art von Standardprozedur vorgesehen. Alle Fragen können nämlich in zwei großen zusammengefaßt werden, nämlich:

  1. Wollen Soldaten kapitulieren? Dies umfaßt Fragen wie Kultur, Religion, Ideologie, psychologische Faktoren wie Emotionen, Haß, Rache, Hoffnung, Ehre, oder das Selbstverständnis männlicher Krieger, die Stimmungen und Überzeugungen in den kriegführenden Gesellschaften und die Resultate einer „good boy orientation“.
  2. Die zweite Frage ist: Haben diese Soldaten eine realistische Chance zu kapitulieren? Hier muß das Umfeld untersucht werden, das normalerweise den Soldaten davon abhält, zu kapitulieren, auch wenn er dieses will. Hier müssen Fragen von Befehl und militärischer Führung, Moral und Disziplin, Effizienz der Militärjustiz, die Stimmung und Überzeugungen der Heimat – etwa sozialer Stigmatisierung kapitulierender Soldaten, wie im alten Rom – ebenso erörtert werden wie die praktischen Möglichkeiten zu kapitulieren. So hatte etwa der in einer Phalanx eingezwängte griechische Infanterist keine Chance, der Schlacht zu entkommen, selbst wenn er dieses wollte. Hier sind auch das wahrscheinliche Los in der Kriegsgefangenschaft und die dieses regelnden internationalen Normen zu berücksichtigen.

Grundfragen der Panels

Diese Fragen werden in neun Paneln behandelt werden und durch vier „keynote speaker“, deren Beiträge Grundprobleme der Kapitulation in der jeweiligen Epoche behandeln, während die panels vorwiegend Fallstudien gewidmet sind. Die Präsentationen werden, mit wenigen Ausnahmen, auf 20 Minuten beschränkt; es geht also um knappe Zusammenfassung der von allen vorher zu lesenden Texte und die Darlegung einiger Schlüsselergebnisse.

Opening: A history of Surrender – problems and perspectives

Ein Einleitungskapitel soll Probleme und Perspektiven einer “Geschichte der Kapitulation” beleuchten, den Begriff (der frühneuzeitlich ist) klären; ältere Begriffe (z.B. „deditio“) erörtern.

Opening Lecture: “Primitive” wars - anthropological background

(Contribution 1) Der erste Sachvortrag von Laurence Keeley wird herausarbeiten, wann der Kampf in archaischen Kulturen aufhörte. Hier ist die These zu erwarten, daß es in diesen Kulturen keine Kapitulation gab und der Kampf mit dem Tod endete. Keeleys These lautet, daß der Krieg in seiner Urform eine Art „absoluter“ oder „totaler“ Krieg war.

Panel I: Surrender in the Ancient World

(3 contributions) Das nächste panel widmet sich dem Thema der Kapitulation in den Kriegen des klassischen Altertums. Ausgehend von den Forschungen Victor Hansons (Victor Davis Hanson: The Western Way of War. Infantry Battle in Classical Greece, Berkeley/Los Angeles/London 1989) und anderer zur griechischen Phalanx wird Paul Cartledge untersuchen, ob die Schlachten des klassischen Griechenlands tatsächlich die ersten Kriege waren, in denen eine Entscheidung auf Leben und Tod in der Schlacht gesucht wurde. Hieran knüpft sich die Frage nach der Kapitulation an, nach dem gesellschaftlichen Druck, der auf den Kämpfenden lastete, sowie nach den individuellen Möglichkeiten, im Kampf der aufeinanderprallenden Phalanxes aufzugeben. Hier ist auch der Hintergrund wichtig. Das Los der Kriegsgefangenen ist ebenso zentral für das Thema wie die Frage, ob eine Aufgabe im Kampf zur gesellschaftlichen Stigmatisierung führte. Gestattete es der Ehrenkodex, zu kapitulieren?

In den römischen Kriegen kam das Joch, als symbolische Erniedrigung des Kapitulierenden, hinzu. Loredana de Libero wird dies in seiner Bedeutung ebenso analysieren wie den Begriff der „deditio“, einer römischen Variante der Übergabe auf Gnade oder Ungnade. Dieses römische Konzept war, so Polybios, schon im klassischen Altertum nicht allseits verstanden worden.

James Howard-Johnston wird einen Blick auf interkulturelle Kriege werfen - etwa gegen Parther und Sassaniden. Herrschten in diesen Kriegen andere Regeln des Aufgebens als bei Kämpfen innerhalb des Orbis Romanus?

Panel II: Surrender in the Middle Ages

(4 contributions) Das nächste panel untersucht die Kriege des Mittelalters. Diese bieten insgesamt ein uneinheitliches Bild, wie der Überblicksvortrag von Hans-Hennning Kortüm zeigen wird. John Gillingham untersucht dann, wie soziale Klassen die Aufgabe im Kampf beeinflußte: Geiselhaft für vornehme Kriegsgefangene, unglaublich grausame Behandlung einfacher Soldaten, die manchmal kastriert, manchmal geblendet wurden. Ein Beispiel wird dann näher untersucht: Basileus Bulgaroktonos soll nach der Schlacht im Strumadelta im Jahre 1014 etwa 14.000 gefangene Bulgaren hat blenden lassen. Die Frage, die Catherine Homes zu beantworten hat, lautet: Stimmt das? Und wenn ja, warum hat überhaupt noch ein Soldat kapituliert, anstatt lieber Sieg oder Tod auf dem Schlachtfeld zu suchen?

John France wird die Kapitulation in interkulturellen Kriegen analysieren. Galten im Mittelalter andere Regeln für Kämpfe zwischen europäischen, abendländischen Heeren als zum Beispiel in Kämpfen zwischen Christen und Muslims?

Panel III und IV: Surrender in intercultural wars in Early modern times

(2x3 contributions) Die Kapitulation in der frühen Neuzeit wird sich mit einem ganzen Bündel unterschiedlicher Probleme auseinandersetzen. Nach einem Überblicksvortrag von John Dunn über die zentralen Probleme der Epoche wird zuerst die Frage nach der Kapitulation in interkulturellen Kriegen aufgegriffen. Ross Hassig untersucht die Kriegführung in Mesoamerika vor dem Eintreffen der Europäer und wird die Kampfweise der Azteken analysieren, da diese offensichtlich ihre Kriegsgefangenen in ungeheuer grausamer Weise durch Häuten und Herausreißen des Herzens hinrichteten; ein Schicksal, das von den Gefangenen offenbar stoisch ertragen wurde. Dies ist für die geplante Untersuchung um so relevanter, da sich hier zeigen ließe, wie sehr das Konzept der Kapitulation von der jeweiligen Kultur abhängt und nicht nur von dem rationalen Reflex, sein Leben zu retten. William Campbell untersucht dann die unterschiedlichen Konzepte von „Kapitulation“ zwischen den native americans Nordamerikas und den britischen und französischen Truppen. Virginia Aksam hingegen widmet sich interkulturellen Kriegen in Europa, nämlich der Kapitulation in den Kämpfen gegen die Osmanen.

In diesen Zeitraum fällt auch die Frage nach der beginnenden Verrechtlichung von Kapitulationen in der frühen Neuzeit („die gezähmte bellona“), die von John Childs untersucht wird. Die Probe aufs Exempel macht dann Lothar Höbelt mit einem Blick auf die Kapitulationen im Dreißigjährigen Krieg und Daniel Krebs mit den Kapitulationen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Der Seekrieg wird in einem alleinstehenden Vortrag behandelt. Holger Afflerbach spricht über Kapitulationen im Seekrieg, da hier, auch vom Ehrenkodex her, erkennbar andere Bedingungen galten als bei Landschlachten. Die Entscheidung zur Kapitulation war dem Kommandanten eines Schiffes vorbehalten, der wiederum einem rigiden Ehrenkodex entsprechen musste. Hier soll paradigmatisch gezeigt werden, wie sich ein militärischer Ehrenkodex, trotz Technisierung und sich deshalb radikal wandelnder Kampfbedingungen, praktisch unverändert tradierte, und was dies für die Frage der maritimen Kapitulation bedeuten konnte.

Panel V: Total Wars and Unconditional Surrender I: 19th Century and sea warfare

(3 contributions) Ein neuer Abschnitt der Militärgeschichte wurde von den Volkskriegen in der Französischen Revolution begonnen, dessen neue Strukturen in dem Einleitungsrefereat von Hew Strachan behandelt werden. Er wird untersuchen, wie sich das auf die Kapitulation auswirkte und wie die nationalen Leidenschaften der Kämpfenden die Aufgabe im Kampf beeinflusste. Michael Broers beschäftigt sich mit der Kapitulation in den Kriegen Napoleons, Mark Grimsley mit denen des amerikanischen Bürgerkriegs, in dem Ulysses S. Grant’s Formel von der „unconditional surrender“ Anwendung fand. Hierbei ist die Frage, ob dies eine Neuerung in der Kriegführung darstellte; eine Neuerung vielleicht, die dem Zeitalter des „Totalen Krieges“ seinen Charakter des entscheidenden Kampfes gab, der nicht als Kompromiß, sondern nur mit der Kapitulation einer der beiden Seiten enden konnte. Michael Epkenhans wird dann die französische Kapitulation von 1870 und Dierk Walter die Kapitulationen in Kolonialkriegen des 19. Jahrhunderts näher beleuchten.

Panel VI: Total Wars and Unconditional Surrender II: World War I

(3 contributions) Der Erste Weltkrieg wird unter der systematischen Fragestellung behandeln, wann Soldaten (Alan Kramer), wann militärische Einheiten (Dennis Showalter) und wann Staaten (Jay Winter) kapitulierten, und wie dieser Moment beschrieben werden kann.

Panels VII und VIII: Total Wars and Unconditional Surrender III: World War II

(6 contributions) Die beiden panels zum Zweiten Weltkrieg werden durch ein Überblicksreferat von Gerhard Weinberg eingeleitet, in dem die Grundzüge der Aufgabe im Kampf in diesem Krieg beleuchtet werden. Das erste panel wird “normale” Kapitulationen wie etwa die Frankreichs 1940 (Martin Alexander) oder Italiens 1943 (John Gooch), oder auch Singapurs 1942 (John Connelly) behandeln, um dies dann mit den “anormalen” Vorgängen in Japan und Deutschland vergleichen zu können. John Zimmermann, Mardecai Sheftall und Richard Bessel werden die deutschen und japanischen Vorgänge analysieren und versuchen, die doch sehr unterschiedlich verlaufenden Vorgänge zu erklären. Unser Hauptinteresse gilt den politischen und militärischen Entscheidungsträgern in Deutschland und Japan und der Frage, wie sie es vermochten, Kapitulationen in militärischen Situationen zu verweigern, in denen das Aufgeben international üblich war. Die Kämpfe werden nicht im Detail nachgezeichnet werden, aber es wird untersucht, wie die Führung Kapitulationsverweigerungen begründete. Die Haltung der Soldaten steht im Mittelpunkt unseres Interesses: Glaubten sie, daß weiteres Durchhalten militärisch sinnvoll sei, oder teilten sie die Untergangsmentalität ihrer Führung bis zu einem bestimmten Punkt?

Panel IX: Our times: asymmetric wars – no surrender - endless wars?

(3 contributions) Die Zeit von 1945 bis heute soll die Frage nach der Kapitulation in asymmetrischen Kriegen, Kämpfen der Dekolonisation, wie etwa Vietnam (Bernd Greiner) oder Serbien (Michael Codner) behandeln. Ein Ausblick soll die Aufgabe in Kämpfen der Gegenwart, so etwa auch im Terrorismus (Audrey Kurth Cronen) streifen. Eine Bilanz soll dann die Kultur des Krieges – genauer, die Kulturen der Kriege – zusammenfassend einander gegenüberstellen.

Öffentlichkeit der Konferenz

Die Frage “Kapitulation”, die Frage nach Kampf und Niederlage erfreut sich eines breiten öffentlichen Interesses, wie der internationale Erfolg der Filme “Der Untergang” (2004) oder “Letters from Iwo Jima” (2006) gezeigt hat. Wir werden die Tagung in den einschlägigen internationalen Mailinglisten annoncieren und auch verschiedene internationale Medien einladen. Außerdem werden wir interessierten Hörern die Konferenz zugänglich machen, gegen Erstattung unserer direkten Unkosten (Tagungshotel).

Erhoffte Ergebnisse/Zusammenfassung

Wir hoffen, daß diese Konferenz und der aus ihr hervorgehende Band einen Beitrag zum besseren Verständnis des Phänomens „Krieg“ in Vergangenheit und Gegenwart machen werden, indem sie die „Kultur des Krieges“ beleuchten. Es ist allerdings unmöglich, die Ergebnisse in Form einer These zusammenzufassen; das Ergebnis ist offen und genau das ist der Grund der Tagung und des Bandes.

Die Tagungsveranstalter werden die Beiträge herausgeben und eine Zusammenfassung der Resultate der einzelnen Beiträge und auch der Konferenzdiskussion anfügen. Dies soll ein Maximum in inhaltlicher Geschlossenheit garantieren.

Das Projekt soll die komplexen Vorgänge analysieren, die Soldaten zum Aufgeben im Kampf bringen. Es soll über den Zusammenhang zwischen individuellen Entscheidungen, Mentalitäten und den sozialen und militärischen Begleitumständen nachdenken. Und es soll, uns besonders wichtig, über die handlungsrelevanten, aber wechselnden Konzepte von Ehre reflektieren, die den Soldat kämpfen lassen oder ihm das Aufgeben erlauben oder verbieten. Die Tagung wird außerdem die Chance für eine interkulturelle Zusammenschau der Frage: „Warum Kämpfe enden“ bieten und uns den Prozess des Aufgebens besser verstehen lernen.

Conference programme (PDF file)
List of speakers (PDF file)